Individuelle Erziehungshilfe

Bei den Individuellen Erziehungshilfen (IE) handelt es sich um qualifizierte ambulante Hilfen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund unterschiedlicher Störungsbilder einen erhöhten Hilfebedarf aufweisen.

Diese Hilfen gliedern sich nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) in:

  • Erziehungsbeistandschaft
  • Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
  • Eingliederungshilfe
  • Betreutes Jugendwohnen

Zielgruppe sind vor allem junge Menschen, die in einer Familie mit einem psychisch kranken Elternteil leben oder selbst von einer psychischen Krankheit betroffen oder bedroht sind.

Folgende Problematiken können in diesem Zusammenhang auftreten:

  • Störungen des Sozial-, Arbeits- und Leistungsverhaltens
  • Soziale Isolation, Orientierungslosigkeit
  • Über- bzw. Unterforderungen
  • Essstörungen
  • Angst- und Zwangsneurosen
  • Schizophrenie
  • Depressionen
  • Suchtkrankheiten
  • Formen abweichenden Verhaltens

Ziele

Wichtige Ziele der IE sind die Entwicklung einer gesunden Identität und die Bewältigung des Lebensalltags. Eine psychische Erkrankung soll bewältigt bzw. vermieden und die Eingliederung in die Gesellschaft gewährleistet werden. Um diese Ziele zu erreichen, werden spezielle Hilfen angeboten:

  • Ermittlung vorhandener Ressourcen
  • Unterstützung bei Schul- und Ausbildungsproblemen und bei der Berufswahl
  • Aufbau einer Tagesstruktur in Bezug auf Freizeitgestaltung
  • Elternarbeit

Medizinische Hilfen

  • Einleiten und Begleiten medizinischer/therapeutischer Hilfen
  • Hilfe im Umgang mit Krankheitssymptomen
  • Unterstützung der Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit
  • Konfliktbewältigung
  • Hilfe im Umgang mit Suchtverhalten
  • Erwerb und Erhalt sozialer Kompetenzen
  • Einbindung in den Sozialraum

Individuelle Erziehungshilfen in der Praxis

In einem Erstgespräch mit dem betroffenen jungen Menschen, ggf. den Eltern, dem/der zuständigen SozialarbeiterIn des Jugendamtes und der Sozialtherapeutischen Beratungsstelle werden eine Bestandsaufnahme der Lebenssituation und erste Ziele der Hilfe formuliert. Im Anschluss an dieses Gespräch beginnt der Hilfeprozess mit einer Probephase und dem anschließenden Hilfeplangespräch. Die Planung und Durchführung der Hilfen orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen und der jeweiligen Problemlage des jungen Menschen. Während dem gesamten Hilfeprozess spielt die Berücksichtigung des persönlichen Umfelds eine wichtige Rolle.

Methoden

Wie in der Sozialpädagogischen Familienhilfe wird auch bei den Individuellen Erziehungshilfen der „systemische Ansatz” zugrunde gelegt. Die folgenden Methoden werden eingesetzt:

  • Personenzentrierte Hilfeplanung
  • Intensive Einzelarbeit
  • Techniken der genauen Beobachtung
  • Analyse der Rollenverteilung innerhalb der Familie
  • Kommunikationstraining, Rollenspiele
  • Gruppenarbeit
  • Helferkonferenzen
  • Netzwerkarbeit

Bewilligung und Dauer der Maßnahme

Die IE werden in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Jugendamt geplant und umgesetzt. Rechtliche Grundlage bilden die §§ 30, 35 und 35a des Sozialgesetzbuchs VIII. Die Entscheidung über die geeignete Maßnahme obliegt dem Jugendamt. Der zeitliche Rahmen orientiert sich an der jeweiligen Problemlage und an den Zielen und Bedürfnissen des jungen Menschen. Die Hilfe verläuft in der Regel in drei Phasen: der Probephase, der Intensivphase und der Ablösungsphase.

Qualifikation der Fachkräfte

Das Team der Sozialtherapeutischen Beratungsstelle besteht aus Dipl.-SozialpädagogInnen, Dipl.-PädagogInnen und Dipl.-PsychologInnen. Unsere MitarbeiterInnen verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen und in der Kinder- und Jugendhilfe. Um die Qualität der Arbeit zu gewährleisten, nehmen unsere MitarbeiterInnen regelmäßig an Supervisionen, Team- und Fachgesprächen sowie Fortbildungen teil.

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